Berliner Sagen - der Schatz auf dem Tempelhofer Feld

Der Schatz auf dem Tempelhofer Feld
Vor langer Zeit lebte in Tempelhof eine arme Witwe mit ihrem Sohn. An einem Sonntagmorgen nahm die junge Frau den Jungen bei der Hand, um jemanden in Berlin aufzusuchen. Ihr Weg führte sie über das Tempelhofer Feld. Die Frau war so mit ihren finanziellen Sorgen beschäftigt, dass sie nicht auf den Weg achtete. Erst als sie ihren Sohn jubeln hörte, blickte sie auf. Sie sah ihren Jungen vor einem Loch stehen. Sie trat hinzu und sah einen Haufen glitzernder Edelsteine, jede Menge Gold und Silbermünzen. Voller Gier raffte sie so viel sie konnte in ihre Schürze.Die Frau ging weiter, doch erst einige Minuten später fiel ihr auf, dass ihr Sohn nicht mehr bei ihr war. Sie ging zurück und sah mit Schrecken, wie ihr Sohn langsam im Loch verschwand. Dann schloss es sich. Die verzweifelte Mutter versuchte das Loch mit den Fingern aufzukratzen. Vergeblich! Sie bekam nur blutige Finger davon. Am nächsten Tag kam die Witwe wieder. Sie kratzte und kratzte - doch sie blieb erfolglos. So ging das jeden Tag, bis es wieder Sonntag war. Erstaunlicherweise öffnete sich das Loch von selbst und sie sah ihren Sohn. Er führte seine Mutter ohne ein Wort zu sprechen auf den Grund.. Dort zeigte er ihr verschlossene Gläser, die erhielten die Seelen vergessener und missachteter Kinder. Jetzt fing er an zu sprechen: »Auch meine Seele ist darunter.« Er nahm ein Glas, öffnete es und gab seine zersprungene Seele seiner Mutter. »Näh sie zusammen, nur so kannst du mich erlösen!,« befahl er. Sofort fing die Mutter mit der Arbeit an, als sie fertig war, sprang der Junge jubelnd auf und beide stiegen nach oben. Doch am Eingang packte die Frau die Habgier und sie füllte ihre Schürze erneut mit Schätzen. Wieder vergaß sie ihren Sohn, wieder verschlang ihn das Loch und wieder versuchte die Frau, ihren Sohn zu befreien. Doch erfolglos. Er blieb für immer verschwunden.
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